Bondage - Freies Fesseln

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"Bei jeder Windung, die das Seil um meinen Körper macht und mich dabei immer mehr einschnürt, spüre ich die unterschiedliche Führung des Seiles … mal ganz zart, aber dennoch bestimmend, und dann wieder ganz hart und ruppig..."

 

Was ist freies Bondage?


Wenn man sich mit dem Thema Bondage in all seinen Varianten beschäftigt, stößt man auf unzählige Stilrichtungen und Techniken. So gibt es eine Vielzahl an Literatur- und Video-Anleitungen zum Fesseln des Partners und nicht selten werden optisch ansprechende Fesselungen "nachgefesselt".


Das freie Bondage dagegen ist ein Ansatz, der nur auf soliden Grundtechniken beruht und bei dem das eigentliche Fesseln der eigenen Intuition und Emotion sowie dem "freien Weg" des Seils folgt.


Ater_Crudus: "In den vielen Jahren, die ich mich bereits mit Bondage beschäftige, habe ich viele Eindrücke sammeln können. Speziell bei den Teilnehmern meiner Bondage-Workshops, aber auch bei vielen Begegnungen außerhalb der Workshops konnte ich beobachten, dass der Fokus auf Technik und beispielhafter Ästhetik zu liegen scheint, was zu Lasten der Emotionen geht. Dabei sollte eine Fesselung und generell die Einbeziehung des Seils doch in erster Linie eine Bereicherung darstellen und nicht zur 'Arbeit' werden.


Das freie Bondage bezeichnet den Ansatz, sich ausschließlich an sicherheitsrelevante Regeln zu halten und darüber hinaus dem Seil und den gemeinsamen Emotionen freien Lauf zu lassen. Gleich ob zur Fixierung des Partners, für tolle Fotoaufnahmen oder für sehr intime Momente … die wichtigste Regel beim freien Bondage ist, dass es keine Regeln gibt (Die einzige feste Regel besteht darin, sich an sicherheitsrelevante und anatomische Grundsätze zu halten.)!"

 

Was habe ich von freiem Bondage?


Das freie Bondage erlaubt es allen Beteiligten, frei von Regeln und vermeintlich festen Abfolgen diverser Techniken, Momente mit dem Seil zu teilen. Situationen, in denen es beim Passiven zu Gedanken kommt wie: "Ist der bald mal fertig?", "Was macht der denn so lang da hinten?" oder "Eh der fertig ist, habe ich keine Lust mehr!", werden so vermieden. Auch soll dem Aktiven Mut und Selbstvertrauen gegeben werden, sich auszuprobieren und seinen Vorstellungen freien Lauf zu lassen.

 

Tipps zum freien Bondage


Um sich an diese unkonventionelle Herangehensweise anzunähern, hilft es, folgende Tipps zu berücksichtigen:

 

  • Absprachen über eure ganz eigenen Motivationen, Wünsche und Vorstellungen sorgen für eine entspannte Stimmung und beugen unerfüllten Begegnungen vor.
  • Sucht den körperlichen Kontakt zu eurem Partner und haltet ihn während der gesamten Dauer der Begegnung.
  • Versteht das Seil nur als Mittel zum Zweck, eure ganz eigenen Wünsche umzusetzen.
  • Bondage folgt keinen festen Regeln, nur sicherheitsrelevante Aspekte geben feste Schranken vor.
  • Der Gefesselte muss, so er Brillenträger ist, seine Brille nicht tragen, während ihr euch einander widmet.
  • Es gibt selten einen Grund, warum der Gefesselte statisch und brav da stehen muss, wenn der Partner das Seil in die Hand nimmt.
  • Unterbindet als Aktiver, dass euer Partner versucht, euch "zu helfen", indem er sich windet, hier den Arm hebt und da hilfreich dem Seil den ungehinderten Weg ebnet.
  • Habt als Aktiver den Mut, euch frei auszuprobieren.

 

In der Praxis bewährte sich bei vielen Einsteigern ins freie Bondage diese Methode:


Der Aktive setzt sich hinter den Passiven und verbindet ihm die Augen. Alternativ kann sich auch der Fesselnde die Augen verbinden. Von nun an sollte man den Kontakt zum Partner suchen. Das Seil in der Hand sollte hierbei nicht von vornherein die tragende Rolle spielen. Man kennt seinen Partner in der Regel recht gut und weiß, welche Berührungen und Empfindungen ihm gut tun. Und man selbst weiß in der Regel auch, was einem selbst Freude bereitet, wenn man seinen Partner berührt. 


Ob die zarte Berührung, der ruppige Griff, ein streichelndes Seil, ein fordernder Druck durch das Seil oder gar ein Seil, welches sich straff und ohne Ziel an der Scham seinen Weg sucht. Ziel soll es bei dieser Übung nicht sein, eine ansprechende Fesselung zu kreieren, sondern das Seil nur als Element zu verstehen, die Empfindungen füreinander zu intensivieren.
Achtung: Bei dieser Übung keine Schwebefesselungen durchführen!!!, da es bei Schwebefesselungen (Suspensions) ohnehin eines hohen Maßes an Erfahrung bedarf!

 

Anregungen für freie Fesselungen


Da der Ansatz des feien Fesselns an dieser Stelle ausschließt, Anleitungen zur Verfügung zu stellen, welche man 1:1 nachfesseln kann, sei darauf hingewiesen, dass die folgenden Beispiele nur Inspiration sein sollen, wie man "ohne Regeln" fesseln kann.

 

Kreativität und Intuition statt Pauken von Anleitungen


Gerade wenn man einzigartige Bilder als Ergebnis haben will, hat es sich als praktisch erwiesen, die wenigen Grundtechniken frei miteinander zu kombinieren. Die bisher gezeigten Grundtechniken sollten für die Vielzahl an Einsteigern bereits ausreichend sein, um sich kreativ und frei auszuprobieren. Und hier ist es in der Tat ratsam, gemeinsam an den Fesselungen zu wachsen. Es gibt kein falsches Bondage. Falsch ist es nur, wenn sicherheitsrelevante Aspekte außer Acht gelassen wurden oder unzureichend berücksichtigt werden. Gerade das statische Nachfesseln im Stile von Anleitungen bringt für viele Einsteiger häufig Ernüchterung und Überforderung mit sich.

 

Der Weg zur fertigen Fesselung und die Emotionen


Prinzipiell soll an dieser Stelle noch einmal betont werden, dass eine fertige Fesselung häufig nur ein Nebenprodukt einer emotionalen Begegnung ist! Die Art und Weise, wie beide miteinander interagieren und kommunizieren, macht jede Fesselung so individuell wie die ganz eigenen Perversionen und Vorlieben der Beteiligten. Die Verwendung des Seils sollte nur unterstützend hilfreich sein, eine besondere Situation noch einzigartiger zu machen. Man sollte sich zu keinem Zeitpunkt unter Druck setzen.  

 

Die Emotionen bei einer Bondage-Begegnung

 

Es bleibt die Botschaft, dass Bondage mehr ist als nur Knoten und Techniken. Darum haben wir eine Bondage-Anfängerin gebeten, ihre eigenen Erfahrungen aus einer Bondage-Begegnung in Worte zu fassen - einer Begegnung, bei der das Hauptaugenmerk auf der Emotion und dem Spiel lag: 


"Der Reiz, nichts zu sehen, nur erahnen zu können, was passiert, ist irre spannend. Denn dadurch werden auch die restlichen Sinneswahrnehmungen um einiges verschärft:

 

Das Hören: Zum Beispiel die Schritte im Raum, die sich einem nähern. Oder auch das Seil, wenn es zu Boden fällt oder durch die Luft saust.


Das Riechen: Der Geruch der Seile, den ich sehr liebe und…

 

Das Fühlen: Seine Körperwärme und der Atem auf der Haut, wenn er ganz nah hinter mir steht und mit ganz zärtlichen Händen die Schultern entlang bis zu meinen Handgelenken fährt, um diese dann plötzlich und ruckartig grob nach hinten auf meinen Rücken zu ziehen. Dort werden meine Hände ebenso grob mit dem Seil fixiert…


… und im festen Griff stehe ich da. Das Gefühl, sich aus dieser Position alleine nicht befreien zu können, macht mich hilflos, machtlos. Mir wird klar: Jetzt bin ich ihm ausgeliefert!


Bei jeder Windung, die das Seil um meinen Körper macht und mich dabei immer mehr einschnürt, spüre ich die unterschiedliche Führung des Seiles, mal ganz zart, aber dennoch bestimmend, und dann wieder ganz hart und ruppig...
Manchmal, wenn das Seil zu schnell über die Haut gezogen wird, hinterlässt es, durch die dabei entstehende Reibungshitze, kleine oberflächliche Verbrennungen, die dann mehr oder weniger langanhaltende "Narben" zurücklassen, die mich später noch bittersüß an diese Begegnung denken lassen.


Nunmehr fast bewegungsunfähig werde ich zu Boden gestoßen ... gerissen? Ich kann es nicht genau sagen, es ging zu schnell… Da liege ich, den Kopf auf die Seite gedreht. Demut macht sich in mir breit. Nicht nur, dass ich am Boden und zu seinen Füßen liege, nein, um noch ergebener und hilfloser zu werden, drückt er mir jetzt noch seinen nackten Fuß auf mein Gesicht. Ich atme schwer. Was wird wohl als nächstes kommen?!


Er holt ein weiteres Seil, welches mit einem nun schon fast vertrauten Klang zu Boden fällt. Jetzt kann ich das Seil nicht nur riechen, sondern auch schmecken, denn dieses Seil wird mir sehr forsch und geradewegs über den Mund gezogen. Gerade so, als wollte er mich knebeln… Danach gleitet es wieder ganz zärtlich streichelnd über meinen Körper. Dieses Wechselbad der Gefühle macht mich wahnsinnig, wahnsinnig erregt.


Plötzlich ist das Seil weg. Ich höre nur einen pfeifenden Ton, gefolgt von einem lauten peitschenartigen Knall direkt neben mir auf dem Boden. So nah, dass mir augenblicklich klar wird, der nächste Hieb könnte treffen. Jede Faser meines Körpers ist gespannt, es ist wohl ein Anflug von Angst, der mich bei jedem Knall zusammenzucken lässt.


Aber dennoch überwiegt die Neugier, gepaart mit einem sehr großen Teil der Sehnsucht, wie sich das Seil wohl beim nächsten Hieb auf meiner Haut anfühlen würde..."

 

Abschließende Gedanken zum Thema "freies Bondage"


Sicherlich erscheint der Ansatz des freien Bondage gerade auf Einsteiger befremdlich, ist man doch zumeist darauf bedacht, ja alles richtig und korrekt zu machen. Aber gerade die technischen Raffinessen, Details und eine Entwicklung mit dem Seil wird man erst mit der Zeit erfahren. Wichtig ist, dass gerade am Anfang die Begegnung mit dem Seil eine für beide Seiten fruchtbare ist und man sich mit einem guten Gefühl gemeinsam an Neues heranwagt. Ob nun intuitive Fesselungen für ein schickes Bild, eine zutiefst emotionale Begegnung oder gar beides in einem, es sollte stets euer ganz eigenes Bondage sein.

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