Marilyn Manson - Frau fast erwürgt

Das war kein Bondage - Das war Marilyn Manson

Das war kein Bondage - Das war Marilyn Manson Bild: Georges Biard Wikipedia Creative-Commons-Lizenz

Leipzig, 8. Februar 2021

Ater Crudus

 

Marilyn  Manson macht negative Schlagzeilen rund um die schweren Missbrauchsvorwürfe  der Schauspielerin Evan Rachel Wood und weiteren Frauen. Wie Promiflash nun berichtet, gerät jetzt auch ein Auszug aus seiner Biografie in den medialen Fokus. Dort wird ein missglücktes Fesselspiel (Bondage) beschrieben, bei dem sich ein Seil zu fest um den Hals seiner “Gespielin” zuzog. 

 

"Ihr Kopf knallte hart auf den Boden, sie war bewusstlos. Ich habe mich benommen zu ihr hinunter gebeugt und an den Knoten und Bändern herumgefummelt, ich konnte nichts tun, als ihr Gesicht von Rot zu Violett wechselte"

 

Und so gerät Bondage als sexuelle Spielart, bei der es darum geht sich einvernehmlich (Konsens und Einvernehmlichkeit) mit Seilen oder anderen Utensilien zu fesseln, leider mal wieder in einen falschen Kontext. 

 

Bei dem geschilderten Vorfall ist es naheliegend, dass es sich um eine Reaktion infolge von einem Seil am Hals handelt. Daher sollte man generell von Seilen am Hals Abstand nehmen, da diese hier, neben wichtigen Blutgefäßen, auch die Luftröhre tangieren können. Neben der Halsschlagader liegende Nerven, die zum Gehirn und weg vom Gehirn führen, können hier ebenso in Mitleidenschaft gezogen werden bis hin zum Erdrosseln. Auch „nur“ die Unterversorgung mit Sauerstoff birgt Risiken wie Bewusstseinstrübung, Herz-Kreislauf-Versagen, Ohnmacht, Krampfanfallgefahr des Gehirns, oder andere dauerhafte Schädigungen. 

 

Beim Ausüben von Druck am Hals mittels Seilen, anderen Utensilien oder den Händen, spielt zudem auch der Carotis Sinus Reflex eine Rolle. Dies ist eine Art “Kontrollmechanismus am Hals” des Menschen. Bei Menschen, die in dieser Region besonders drucksensibel sind (hypersensitiver Corotissmus) kann ein Seil oder verstärkter Druck die Sensoren entlang der Halsschlagader aktivieren. Folglich fällt reflexartig der Blutdruck ab was zu sofortiger Ohnmacht führen kann. Auch Todesfälle infolge des CSR sind dokumentiert.

 

Aufgrund dieser enormen Risiken raten seriöse Bondage-Lehrer generell von “Seil am Hals” ab oder gehen explizit und detailliert auf die Gefahren und Risiken ein. Letztendlich muss man aber auch festhalten, dass die Risikobereitschaft und die Suche nach dem “Kick” in den vergangenen Jahren gestiegen zu sein scheint. Bereits seit einigen Jahren beobachte ich, dass es irgendwie “en vogue” geworden ist. So ist für viele der beherzte Griff zum Hals bis zu einer gewisssen Grenze Teil der sogannten “Rough-Sex” Vorliebe.

 

Dabei bedarf sicheres Fesseln, neben dem gesunden Menschenverstand, nur einiger Grundregeln:

 

  • Ein Seil hat am Hals nichts verloren
  • Fesseln nur in gegenseitigem Einvernehmen
  • Das Achten der Grenzen des Partners
  • Immer ein Notfall Werkzeug zur Hand haben (Schere, Gurtmesser)
  • eine gefesselte Person nicht allein lassen
  • Alkohol und Drogen haben bei Fesselspielchen nichts verloren

 

Einvernehmliche Fesselspiele sind in unzähligen Schlafzimmern gängige Praxis. Gut so. Denn ein verantwortungsbewusster Umgang mit sexuellen Spielarten gehört zu einer aufgeklärten und sexuell selbstbestimmten Welt. Die "Biografie Manson" hingegen schildert einen Unfall, der zu vermeiden gewesen wäre.