Konsens und Einvernehmlichkeit

Sexueller Missbrauch kein Problem der Bondage-Szene

Eingeschnürt und vergewaltigt: Bondage-Fotograf soll Models missbraucht haben Ater Crudus

Leipzig, 27. September 2020 | 16:32 | Ater Crudus

 

“Eingeschnürt und vergewaltigt”, so titelt RTL.de zu den aktuellen Vorwürfen gegen einen Bondage-Künstler aus Australien. Während sich dem Artikel  zufolge nun ein Gericht mit den Vorwürfen beschäftigt, stellt sich die Frage, ob dies ein Problem der Bondage-Szene ist. Nein!

 

Bondage - als sexuelle Spielart, bei der es darum geht sich einvernehmlich mit Seilen oder anderen Utensilien zu fesseln -  hat längst Einzug in die Schlafzimmer unserer sexpostiven Welt gehalten. Die Anhänger kann man hierbei in mehrere Kategorien unterteilen. Da sind zum einen die Kreise, in denen sich Künstler, Models, Performer, Fotografen und Ausbilder der Fesselkunst tummeln und auf Menschen treffen, die sich regelmäßig und intensiv mit den verschiedensten Techniken und Ausrichtungen beschäftigen. Zum anderen gibt es die Kreise jener, die sich speziell und intensiv im Bereich BDSM tummeln und hier mit ihrem Partner und anderen Gleichgesinnten Bondage als Teil ihres Lifestyle praktizieren. Und als letzte Kategorie gibt es noch jene Menschen, die sich spielerisch und experimentierfreudig im ganz eigenen Schlafzimmer und ohne viel Tamtam auf lustvolle Art und Weise fesseln.

 

Dabei haben alle hier genannten Personenkreise eines gemeinsam. Sie verabreden sich auf sichere, vernünftige und einvernehmliche Begegnungen (aus dem englischen SSC für „Safe, sane, consensual“). Und während sich BDSM Anhänger und Professionelle Bondage-Praktizierende dessen auch bewusst verpflichtet fühlen, lässt sich das gewöhnliche Pärchen aus der Nachbarschaft unbewusst schon aus gesundem Menschenverstand auf diese selbstverständliche Herangehensweise voller Achtung, Wertschätzung und mit einem natürlichen Rechtsbewusstsein ein. Und diese Einwilligung  zum Geschehen kann vom Gefesselten (oder generell Passiven) zu jedem Zeitpunkt zurückgenommen werden.

 

Wird die Einwilligung zum Geschehen zurückgenommen und die Handlung nicht abgebrochen, dann handelt es sich nicht mehr um Einvernehmlichkeit. Und nicht einvernehmlich sexuelle Handlungen sind mit aller Härte des Gesetzes zu ahnden. Sexuelle Gewalt ist weder in der Bondage-Szene noch in anderen sozialen, beruflichen oder gesellschaftlichen Schichten und Kreisen tolerierbar. Was das “Problem” ist, ist zu komplex. Aber es ist nicht die Bondage-Szene.